„Ein Leben alleine ist nicht genug, um davor zu mahnen, dass der Holocaust nie mehr vorkommen darf; dass ein Mensch den anderen verachtet oder unterdrückt, hasst, quält. Die Mahnungen vor Antisemitismus und Rassismus müssen weitergehen! Erinnern alleine reicht hierfür nicht.“
Was diese eindrücklichen Worte von Eva Fahidi, Auschwitz-Überlebende aus Ungarn, mit der Geschichte Stadtallendorfs zu tun haben, erfährt man bei einem Besuch im Dokumentations- und Informationszentrum DIZ. Am 26.02. begab sich die H9PUSCH der Georg-Büchner-Schule in Stadtallendorf auf die Spuren Eva Fahidis, die als eine von 1000 ungarischen Jüdinnen 1944 aus dem Konzentrationslager Auschwitz nach Stadtallendorf gebracht wurden und in den Allendorfer Sprengstoffwerken Zwangsarbeit leisten mussten.
Während uns auf dem Weg zur Gedenkstätte Münchmühle, wo sich damals das KZ-Außenlager befand, der Schokoladengeruch von Ferrero in der Nase liegt, waren diese sowie andere Zwangsarbeiter aus ganz Europa damals ohne jeglichen Schutz den Dämpfen der gefährlichen, hochexplosiven und stark giftigen Sprengstoffchemikalien ausgesetzt, welche sie in schweren Sprengkörpern anrühren mussten.
Von dem immensen Gewicht dieser Granaten konnten sich die Schüler*innen der H9PUSCH in der Dauerausstellung des DIZ selbst ein Bild machen, indem sie die Sprengkörper anhoben: das Gefühl der Schwere blieb allerdings auch danach noch in den Armen zurück, weil es nicht nur das Gewicht der Granaten ist, das man in der Ausstellung spürt, sondern auch die Erfahrungen der Zwangsarbeiter*innen, die in den Sprengstoffwerken für die Nationalsozialisten arbeiteten.
Nach dem Besuch der Ausstellung im DIZ, welches als ehemaliges Verwaltungsgebäude des Rüstungskonzerns selbst ein historisches Denkmal darstellt, machten wir uns auf den Weg zur Gedenkstätte Münchmühle, wo sich die Lager der Zwangsarbeiterinnen befanden, die von der SS bewacht wurden. Heute stehen hier Kühe auf der Weide und nur der Grundriss des damaligen Waschhauses zeugt noch von der Existenz der Lager. An den Pfosten der Stacheldrahtzäune sind Gedenktafeln mit den Namen der 1000 jüdischen Zwangsarbeiterinnen angebracht.
Erinnern allein reicht nicht, sagt Eva Fahidi, aber um erinnern zu können muss man vielleicht als erstes mitfühlen, und das passiert, wenn man das DIZ besucht. „Wenn es um die Geschichte von Stadtallendorf geht, denke ich jetzt an das DIZ“, sagt J., der die Klasse H9PUSCH der Georg-Büchner-Schule besucht. Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Bitzhöfer für die Erzählungen, die Fotos und die Führung, die uns die Geschichte der Zwangsarbeiterinnen der Sprengstoffwerke nahegebracht haben.
Das durch Fördermittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) finanzierte Programm „PUSCH Praxis und Schule“ ermöglicht Schüler*innen die Vorbereitung auf das Berufsleben durch den Besuch von Praktika und weiteren berufsorientierenden Maßnahmen.