Best Practice

Welchen Gewinn können Unternehmen und Arbeitgeber von Cultural Diversity erwarten?

 

 Ein Unternehmen,

 

  • das Innovationen anstrebt, um sich vom Mitbewerber abzugrenzen,
  • das neue Märkte betritt, um seine Produkte oder Dienstleistungen anzubieten,
  • das im Inland neue Kundengruppen anspricht, um Marktanteile zu erhöhen,
  • das qualifizierte MitarbeiterInnen an sich binden möchte, um auch morgen erfolgreich zu sein,

 ein solches Unternehmen braucht kulturelle Vielfalt. Denn kulturelle Vielfalt bedeutet

  • unterschiedliche Sichtweisen,
  • Kultur- und Landeskompetenzen,
  • Gespür für diverse Kundengruppen sowie
  • Entfaltungsspielraum für MitarbeiterInnen.

 In der international angelegte Studie „Cultural Diversity Management in Deutschland hinkt hinterher“ der Bertelsmann Stiftung gaben Unternehmen an, das sie in den folgenden drei Rubriken Synergieeffekte durch Vielfalt verbuchen konnten:

1. Konfliktreduktion und Zufriedenheit

Hier bemüht man sich um das Erkennen und Vermeiden von Konflikten.
Der Aufbau einer diskriminierungsfreien Unternehmung, in der MitarbeiterInnen ungeachtet ihrer Herkunft arbeiten und akzeptiert werden, ist eine Vorraussetzung, dass sich besonders Mitglieder von Minderheiten wohlfühlen. Die Reduktion von Konflikten führt zu weniger Stress und Belastung, sodass MitarbeiterInnnen einen höheren Grad an Zufriedenheit verspüren.

2. Kundenorientierung und Marktzugang

Mehr und mehr Unternehmen sehen aufgrund der Vielfalt in den Kundengruppen die Notwendigkeit, sich intern entsprechend aufzustellen, um die externen Vielfalt zu entsprechen. Insbesondere Vertrieb, Marketing und Service werden mit MitarbeiterInnen aus den selben kulturellen Hintergründen wie die KundenInnen besetzt. Unternehmen mit diesem Marktzugang können deutlich besser fremde Märkte und Kundengruppen bedienen. Die Implementierung von Cultural Diversity in diesem Zusammenhang ist auch eine ökonomische Notwendigkeit, bedenkt man folgende Faktoren: Die Kaufkraft der 15,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund beträgt zwischen 30 und 40 Milliarden im Jahr.

3. Zusammenarbeit und wirtschaftlicher Erfolg

Vielfalt in Perspektiven, Methoden, Erfahrungen, Wissen und Kompetenzen regt an voneinander zu lernen, neue Impulse aufzunehmen und neues zu erarbeiten. Damit werden wettbewerbsentscheidende Faktoren geschaffen, nämlich Kreativität und Innovation. Um diese Offenheit und Bereitschaft im Unternehmen zu implementieren, bedarf es an Einsicht, denn die meisten Strukturen und auch menschliche Bedürfnisse sind auf Erhalt des Bekannten ausgerichtet. Der Unternehmenskultur kommt eine zentrale Bedeutung zu, diesen Geist der Veränderung im Hause zu verankern.

Praxisbeispiele zu Cultural Diversity in Unternehmen

Beispiel I:  ARAMARK

Die positive Einstellung zu Vielfalt und ihr multikulturelles Wissen nutzt ARAMARK aktiv für die Kunden- und Gastansprache. Zum Beispiel beim Kunden Pirelli: Hier besuchten weniger MitarbeiterInnen das Betriebsrestaurant als erwartet – trotz eines abwechslungsreichen Speiseangebots. Die gezielte Analyse der potenziellen Gäste lieferte den Grund dafür: Viele waren türkischer Abstammung. Muslime essen aber nur Gerichte, die „hahal“, also „rein“ im muslimischen Sinne sind, und verzichten deshalb u.a. auf Schweinefleisch. Der ARAMARK-Betriebleiter vor Ort ging nach dieser Analyse mit einem umfassenden Maßnahmeplan auf die kulinarischen Vorlieben der türkischen Gäste ein. Neu im Angebot sind seitdem Menüs mit Halal-Zertifikat sowie türkische Spezialitäten wie Adana Kebab, Lahmacun und Börek. Neben Schweinefleisch werden nun auch andere Fleischsorten zubereitet und ausgegeben.

Beispiel II: ARAMARK

Aktiviert durch die Diversity-Schulungen realisierte eine ARAMARK-District-Managerin für das Mitarbeiterfest ihres Kunden eine „vielfältige Idee: Sie organisierte im Vorfeld eine Liste mit den beim Kunden vertretenen Nationalitäten und setzte zum Fest ARAMARK-MitarbeiterInnen mit entsprechenden Sprachkenntnissen ein. Von Afganisch über Bosnisch und Fransösisch bis Polnisch war ARAMARK auf dem Event mit insgesamt 10 Sprachen vertreten. So konnten alle Gäste sicher sein, verstanden zu werden. Zur Erkennung trugen die MitarbeiterInnen eine Plakette mit der jeweilgen Landesflagge, befestigt an einer schwarz-rot-goldenen Kordel.

Beispiel: E-plus spricht Türkisch – AY YILDIZ doguyor!

Schon im Jahre 2005 erkannte E-Plus die Bedeutung und Potenzial der türkischstämmigen Zielgruppe. Im Rahmen seiner Multimarkenstrategie startete das Düsseldorfer Unternehmen AY YILDIZ – die erste Mobilfunkmarke für türkischstämmige MitbürgerInnen in Deutschland. Damit übernahm E-Plus eine Vorreiterrolle. Zuvor gab es auf dem Mobilfunkmarkt keine Produkte mit spezieller Ausrichtung auf die Nutzungsgewohnheiten türkischstämmiger MitbürgerInnen.
Der Erfolg von AY YILDIZ basiert auf zwei Faktoren: passgenau auf die Zielgruppe zugeschnittene Produkte  sowie eine bilinguale Unternehmensphilosophie, die sich durch alle Bereiche des multikulturellen Unternehmens zieht: Vertrieb, Marketing, PR und Werbung  sind geprägt von türkischer Emotionalität, türkischen Werten, Traditionen und der  Geschichte – jedoch ohne dabei eine „Parallelwelt“ zu inszenieren.

Obwohl es sich bei den türkischstämmigen BürgerInnen tendenziell um eine in sich geschlossene, von einem starken Zusammengehörigkeitsgefühl geprägte Zielgruppe handelt, möchten sie auch als Teil der deutschen Gesellschaft betrachtet werden. Gleichzeitig legen sie jedoch Wert auf eine türkische Ansprache. Eine Herausforderung, die E-Plus mit AY YILDIZ erfolgreich bewältigt.

 Ansprechpartner

Kontakt Christian Hendrichs